Ein buntes Puzzle an Amüsantem und Wissenswertem zu Ostseebad und Badeleben |
![]() Tagelang fegte ein Orkan aus Südwest über das Land. Der natürliche Wasseraustausch zwischen Nord- und Ostsee brach zusammen. Die Wassermassen wurden vom Wind in die östliche Ostsee, den Finnischen Meerbusen, getrieben. Der Sturm flaute kurzzeitig ab, drehte auf Nordost und brach erneut in Orkanstärke los. Die gesamten in der östlichen Ostsee angestauten Wassermassen wurden gegen die südwestliche, die deutsche Ostseeküste, getrieben. Strand und Dünen waren schnell überwunden. Die Menschen flüchteten in die Obergeschosse und auf die Dächer, denn die Häuser waren binnen kurzer Zeit zu Inseln in den tosenden Fluten geworden. Bauern versuchten ihr Vieh zu retten, trieben es in höher gelegene Gebiete. Das ganze Ausmaß der Katastrophe war erst am nächsten Morgen
sichtbar. |
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Es war Anfang der 90er. Wieder einmal ein herrlicher Sommer, wieder zog es tausende Gäste an die Ostsee, auch nach Boltenhagen. Aber nicht nur die Menschen zog es ans Wasser, auch ein Insekt. Der eigentlich beliebte, ja sogar besungene Marienkäfer wurde in diesem Jahr zu einer einziger Plage. Zu den Tausenden Badegästen gesellten sich Millionen von Marienkäfer. Egal wo man sich am Strand niederließ, die Käfer waren schon da. An ein ruhiges Sonnenbad war nicht zu denken. Überall kribbelte und krabbelte es. Dabei hatte Boltenhagen noch Glück, anderswo wurden die Käfer schaufelweise entsorgt. Am Strand stimmte man leise des alte Kinderlied "Marienkäfer fliege ..." an, wohlwissend, dass die Käfer es nicht hören konnten und der Aufforderung ganz bestimmt nicht Folge leisten würden. |
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Vor weniger als 70 Jahren standen hier noch Fischerhütten. ![]() Nach vollbrachter Arbeit herrschte hier ein reges Treiben. Der Fang wurde sortiert, Netze zum Trocknen oder Ausbessern aufgehängt. In den Sommermonaten gesellten sich Badegäste zu den Fischern. Sie lauschten nicht nur den Geschichten der Fischer, hier gab es vor allem auch ungestörte, ruhige Plätze, an denen man sich den Reizen der Natur voll und ganz hingeben konnte. Hier traf man fast ausschließlich von Sonne und Meer braun gebrannte Körper an. Vor allem aber der ärmlichen Hütten wegen nannte man diese Gegend "Kamerun". |
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Gemeint ist Fritz Reuter, niederdeutscher Dichter mit Weltruhm. Er war ein brillanter Beobachter, ein geduldiger wie dankbarer Zuhörer. Er erfand keine Geschichten, er fand Geschichten. Gepaart mit seinem malerischen Talent und der damit verbundenen Beobachtungsgabe und Vorstellungskraft schuf er in seinem Werk einzigartige Charaktere, von denen einige in Boltenhagen beheimatet gewesen sind. ![]() Gern unterhielt er sich mit seinen Landsleuten, oftmals bis tief in die Nacht, begleitet von kulinarischen und alkoholischen Genüssen. 1855 begleitete er seine kränkelnde Frau zur Kur nach Boltenhagen. An eine Bekannte schrieb er: "Habe ich das Vergnügen zu bemerken, dass ich hier ein Leben führe wie die Fliege in der Buttermilch. Ich habe das unaussprechliche Vergnügen zu bemerken, dass meine Verwendungen anschlagen und dass ich das, was ich in der Tasche an Gewicht verliere, an Speck wieder ansetze. Diesen chemischen Prozess werde ich nun noch eine Woche fortsetzen." |
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"Och Vadding, de sünd jo all nakt!" "Je", seggt he, " dat is hier so - hier is FKK, wi möten uns ok utträken." "Ne, dat dau'k nich, dat is mi tau schenierlich!" Aber Vadding treckt sien Büxen ut un nix wi rünner ant Wader. Bät tau Knei gaht he rin und kickt nah all de söten, brungebrannten Dierns. Mudding sitt in de Dünen un reckt den Hals, bis se plötzlich luthals bölkt: "Vadding, Vadding, du mößst `n betten deeper gahn, man süht ja, wat du denkst!" |
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Feriengestaltung
und Kuren für Kinder haben im Ostseebad eine jahrzehntelange Tradition.Ein Prospekt des Kindererholungs- heimes "Oranien" (heute das Kurmittelcentrum an der Ostsee- allee) wirbt in den 30-er Jahren mit folgendem Text: "Langjährige Erfahrungen haben gezeigt, dass sich das schulmüde, nervöse und in der körperlichen Entwicklung zurückgebliebene Kind durch einen längeren Aufenthalt an unserer Meeresküste vollkommen erholen und kräftigen und zu einem gesunden Menschen heranwachsen kann ... Der Tag beginnt mit dem Wecken um halb acht, in den Waschräumen hilft die ,Tante' den Unselbständigen. Die Sportlehrerin leitet die Gymnastik, der Gong vereint uns zum Morgenfrühstück. Nach dem Gesang eines frischen Liedes geht ein eifriges Löffeln los, wir essen mit immer größer werdendem Appetit die Morgensuppe und lassen uns die gut bestrichenen Brote dazu schmecken ... Der
Höhepunkt des Tages, das gemeinsame Bad. Unter Jubeln und Jauchzen
geht es in die schäumende Flut. Unter dem Schutz der Tante vertraut
sich der größte Angsthase dem Element an und wird bei Seegang
ein Held. Allzu kurz ist das Vergnügen, die vom Arzt vorgeschriebene
Badezeit wird streng eingehalten. Bereitgehaltene Tücher frottieren
den Körper, etwas leichte Gymnastik und das hierauf folgende Sonnenbad
lassen den Körper so recht die Wohltat des Bades empfinden." |
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![]() Um 1880 war ein Dampfer vor Boltenhagen eine Sensation. Es trieb viele Schaulustige an den Strand, die Fischer machten ihre Boote flott. Da es keine Brücke gab, mussten sie die Boltenhagen-Besucher "ausbooten". Man kann sich vorstellen, dass so mancher Gast eher mit der erfrischenden Ostsee Bekanntschaft machte, als ihm lieb war. Die Brückengeschichte begann mit kleinen Seestegen, die einzelne Vermieter (erstmals J.J. Wichmann 1848) vor ihren Pensionen bauten, damit kleine Segler mit Tagesgästen anlegen konnten oder es wurden auf ihnen kleine Badezellen aufgestellt. 1911 schließlich wurde eine 300 Meter lange Landungsbrücke erbaut, für Boltenhagen ein neues Tor zur Welt. Die Gäste konnten endlich trockenen Fußes das Ufer erreichen. Schnell entwickelte sich ein Liniendienst mit Personendampfern. Vor allem aus Wismar und Travemünde legten zahlreiche Dampfer an. ![]() Um 1930 errichtete man ein großes Brückenhaus. Gepäckträger mit Handwagen warteten hier, um die per Schiff ankommenden Gäste zu ihrem Quartier zu bringen, man konnte Tagesausflüge mit dem Dampfer nach Travemünde, Poel oder Wismar buchen und zahlreiche weitere Dienstleistungen in Anspruch nehmen. Selbst die Reichsbahn verkaufte hier Fahrkarten für eine Weiterreise in die große weite Welt. Im Winter 1941 wird die Seebrücke dann durch Eismassen zerstört. In der Folgezeit baute man immer wieder kleinere Seestege, immer wieder wurden sie durch Eis und Sturm zerstört. Ab den 70-er Jahren war keine Brücke mehr erwünscht, kalter Krieg. Eine Brücke war ein zusätzliches Risiko für das damals herrschende Grenzregime. Nach der Wende war schnell die Idee für eine neue Seebrücke geboren. In den Jahren 1991/92 entstand die heutige Seebrücke. Mit ihren 290 Metern Länge ist sie nicht nur Wahrzeichen von Boltenhagen, sondern auch Anziehungspunkt für jeden Gast. |
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Wenn von bedeutenden Persönlichkeiten Boltenhagens die Rede ist,
dann muss auch Johann Jacob Wichmann genannt werden. |
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"Die Badekarren sind geräumig und bequem eingerichtet, werden von einem Pferde in die gehörige Wassertiefe gezogen, und wenn abgebadet ist (was durch das Aufziehen des Badeschirmes signalisiert wird), auf eben die Weise wieder herausgeholt. Ein solches Bad aus dem Badekarren kostet für eine einzelne Person 5 Silbergroschen, für zwei zusammen 6 Silber-groschen. Am Strande erbaute Hütten dienen dazu, die Badegäste aufzunehmen, bis an Sie die Reihe zum Baden kommt." |
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In Boltenhagen war an solcherlei Treiben nicht zu denken. Das Leben nahm an dem unberührten wie unbekannten Fleckchen Erde seinen bäuerlichen Gang. Nur ein Jahrzehnt später sollte sich das ändern. Auf
Schloss Bothmer zu Klütz ließ der Graf an einem warmen sommerlich
Junitag die Pferde einspannen. Auf dem holprigen Sommerweg ging es nach
Boltenhagen. Der gräflichen Kutsche folgte ein eigentümliches
Gefährt. So etwas hatte man hier noch nicht gesehen, es war ein Badekarren. Man entschied sich für den flachen Strand am Redewischer Ufer. Ein Pferd zog den Karren bis zur Achshöhe ins Wasser. Durch
den Karren mit einer Plane vor unliebsamen Beobachtern geschützt, nahm
die Grafenfamilie zunächst etwas zurückhaltend, dann aber doch
mutig und genüsslich das erste Bad in der Boltenhagener Bucht.Nachdenklich, die Mütze in den Nacken schiebend und den Bart kraulend, sahen einige Einheimische dem ungewohnten Treiben zu. Noch nie waren sie auch nur auf die Idee gekommen, freiwillig den großen Zeh ins Ostseewasser zu tauchen. Freilich, beim Einholen der Netze und Anlanden der Boote hatte schon mancher Bekanntschaft mit dem kühlen Nass gemacht. Doch das hier, ne, das wollte zunächst nicht in ihren Kopf. Die Grafenfamilie hingegen hatte Gefallen am Bad gefunden. So wurde der Badekarren gleich beim Schulmeister untergestellt, für das nächste Bad. |
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Tauletzt ward Kuddel de Sak tau bunt. "Wat is denn los?" röpt he. "Ick kann nich swemmen!" "Och wat !" seggt Hein, "Wie künnt ok nich swemmen, aber wi bölken doch nich so!" |
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1830 war er zum ersten Mal in das verträumte Bauerndorf an der Ostsee gekommen. Er fand Gefallen an dem kleinen Ort, seiner reizvollen Lage und eigenen Atmosphäre. Schnell erkannte er, dass hier etwas zu machen war. 1843 publizierte er, beschrieb nicht nur die wundervolle Lage Boltenhagens, sondern entwickelte auch erste Gesichtspunkte und Prinzipien über Erholung und Ferien an der See. Immer wieder suchte er das Gespräch mit den Einhei- mischen, gab ihnen Hinweise und auch so manchen Rippenstoß. "Wat möt, dat möt." Die Mentalität, die störrische Ruhe der "Eingeborenen" waren seine größten Gegner. Doch mit der Zeit fanden auch die Dorfbewohner Gefallen an dem sommerlichen Treiben in ihrem Ort. Die Zahl der Gäste stieg von Jahr zu Jahr und schließlich sah man ein, dass man einen Vorteil von der ganzen Sache hat. Der anfänglichen Skepsis folgte Aufgeschlossenheit, schließlich sogar Dankbarkeit. 1880, anläßlich des 50. Besuches des Pastors, weihte man einen Gedenkstein mit folgender Inschrift ein:
östlich der Kapelle zu besichtigen. |
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