Ein buntes Puzzle an Amüsantem und Wissenswertem zu Ostseebad und Badeleben

   
"Äwer dat Afbaden"
Es war so um 1830.
Eine Reisegesellschaft hatte bei "Kegel-Westphal" ein erfrischendes Bad genommen. Nach einem ausge-dehten Spaziergang verspürte man kräftigen Hunger, wandte sich an Mutter Westphal und bat um Essen und Trinken. Selbstgebrautes Bier, eine Flasche Kümmel, Schinken, Käse, Butter und selbstgebackenes Schwarzbrot kamen auf den Tisch. Die Gäste ließen sich nicht lange bitten und sprachen den aufgedeckten Speisen und Getränken ausgiebig zu. Nachdem Hunger und Durst gestillt waren zogen sie den Geldbeutel und sagten: "Mutter, wir haben nun gut gegessen und getrunken, jetzt wollen wir es in Richtigkeit machen; für das Bad haben wir ebenfalls noch zu zahlen, wieviel macht das für den Mann?"
Mutter Westphal erwiederte: "Kinners, dat bäten Äten wier ja nich so slimm, äwer dat Afbaden makt jug dei Sak dür - denn die Oll möt sin Geld hewn, dei lett nix af, ick kann jug nich helpen, ji möt't jere vierthalw
(3½) Schilling utgeben."
So war es, einstmals in Boltenhagen.
   

Wussten Sie schon
. . . dass 84 Prozent der Ostdeutschen schon einmal an der Ostsee Urlaub
gemacht haben. 
 
   
 
Mentalität
1844 beschreibt eine Schweriner Zeitung die Bodenständigkeit mit folgenden Worten:
"Der Boltenhagener hat seiner deutschen Natur gemäß das mit den Pendeluhren gemein, dass er, um in Gang gebracht zu werden, nicht bloß aufgezogen, sondern auch angestoßen sein will!"
So ein wenig stimmt das wohl auch noch heute,
und wer anders ist, ist nicht aus Boltenhagen. 
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Sturmflut
Die rasante Entwicklung Boltenhagens zum Badeort wurde 1872 jäh unterbrochen. In der Nacht vom 12. zum 13. November ereignete sich eine fürchterliche Sturmflut.
Tagelang fegte ein Orkan aus Südwest über das Land.
Der natürliche Wasseraustausch zwischen Nord- und Ostsee brach zusammen. Die Wassermassen wurden vom Wind in die östliche Ostsee, den Finnischen Meerbusen, getrieben.
Der Sturm flaute kurzzeitig ab, drehte auf Nordost und brach erneut in Orkanstärke los. Die gesamten in der östlichen Ostsee angestauten Wassermassen wurden gegen die südwestliche, die deutsche Ostseeküste, getrieben.
Strand und Dünen waren schnell überwunden.
Die Menschen flüchteten in die Obergeschosse und auf die Dächer, denn die Häuser waren binnen kurzer Zeit zu Inseln in den tosenden Fluten geworden. Bauern versuchten ihr Vieh zu retten, trieben es in höher gelegene Gebiete.

Das ganze Ausmaß der Katastrophe war erst am nächsten Morgen sichtbar.
Glücklicherweise waren keine Menschen umgekommen. Der materielle Schaden war jedoch enorm, jahrelange fleißige Arbeit war in wenigen Stunden zunichte gemacht.
Die Hilfe war in diesen Tagen groß. Sie kam nicht nur aus den benachbarten Gemeinden. In ganz Deutschland setzte eine beispielhafte Welle der Solidarität ein. Wohltätigkeitsveranstaltungen, Sammlungen aller Art und auch Konzerte wurden veranstaltet, um die Not der Betroffenen zu lindern.
Die Boltenhagener waren zunächst geschockt, doch schon bald machten sie sich ans Werk ein schöneres und moderneres Boltenhagen aufzubauen. Noch heute erinnert ein Hochwasserstein an der Kapelle an
die damalige Flut und zeigt den Wasserstand der Flut an.

     
Marienkäfer fliege
Die Launen der Natur sind vielfältig, werden manchmal auch von Menschenhand unterstützt.
Es war Anfang der 90er. Wieder einmal ein herrlicher Sommer, wieder zog es tausende Gäste an die Ostsee, auch nach Boltenhagen. Aber nicht nur die Menschen zog
es ans Wasser, auch ein Insekt. Der eigentlich beliebte, ja sogar besungene Marienkäfer wurde in diesem Jahr zu einer einziger Plage. Zu den Tausenden Badegästen gesellten sich Millionen von Marienkäfer. Egal wo man sich am Strand niederließ, die Käfer waren schon da.
An ein ruhiges Sonnenbad war nicht zu denken. Überall kribbelte und krabbelte es. Dabei hatte Boltenhagen noch Glück, anderswo wurden die Käfer schaufelweise entsorgt. Am Strand stimmte man leise des alte Kinderlied "Marienkäfer fliege ..." an, wohlwissend, dass die Käfer es nicht hören konnten und der Aufforderung ganz bestimmt nicht Folge leisten würden.
 
Afrika ganz nah?
Noch heute führt die Mittelpromenade in östliche Richtung vorbei an schönen und gepflegten Villen, bis hinein in einen Kiefernwald.
Vor weniger als 70 Jahren standen hier noch Fischerhütten. "Kamerun"
Nach vollbrachter Arbeit herrschte hier ein reges Treiben. Der Fang wurde sortiert, Netze zum Trocknen oder Ausbessern aufgehängt. In den Sommermonaten gesellten sich Badegäste zu den Fischern. Sie lauschten nicht nur den Geschichten der Fischer, hier gab es vor allem auch ungestörte, ruhige Plätze, an denen man sich den Reizen der Natur voll und ganz hingeben konnte.
Hier traf man fast ausschließlich von Sonne und Meer braun gebrannte Körper an. Vor allem aber der ärmlichen Hütten wegen nannte man diese Gegend "Kamerun".
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"Uns Fritzing"
Nein, nein, er ist hier nicht geboren, nicht hier aufgewachsen. Und doch nennt man seinen Namen mit Stolz, findet man seinen Namen im Ostseebad bis in die Gegenwart.
Gemeint ist Fritz Reuter, niederdeutscher Dichter mit Weltruhm. Er war ein brillanter Beobachter, ein geduldiger wie dankbarer Zuhörer. Er erfand keine Geschichten, er fand Geschichten. Gepaart mit seinem malerischen Talent und der damit verbundenen Beobachtungsgabe und Vorstellungskraft schuf er in seinem Werk einzigartige Charaktere, von denen einige in Boltenhagen beheimatet gewesen sind. Fritz Reuter
Gern unterhielt er sich mit seinen Landsleuten, oftmals bis tief in die Nacht, begleitet von kulinarischen und alkoholischen Genüssen.
1855 begleitete er seine kränkelnde Frau zur Kur nach Boltenhagen.
An eine Bekannte schrieb er: "Habe ich das Vergnügen zu bemerken, dass ich hier ein Leben führe wie die Fliege in der Buttermilch. Ich habe das unaussprechliche Vergnügen zu bemerken, dass
meine Verwendungen anschlagen und dass ich das, was ich in der Tasche an Gewicht verliere, an Speck wieder ansetze. Diesen chemischen Prozess werde ich nun noch eine Woche fortsetzen."
 

Wussten Sie schon
 . . . dass man bei guter Sicht von Groß
Klütz  Höved (höchste Stelle der Steilküste) aus, die Fehmarn-Sund-Brücke sehen kann.
 
An de See
Vadding un Mudding führn tau'n iersten Mol in'n Urlaub an de Ostsee. Nu aber gliek rünner an'n Strand - oh, dat veele Wader.
"Och Vadding, de sünd jo all nakt!"
"Je", seggt he, " dat is hier so - hier is FKK, wi möten uns ok utträken." "Ne, dat dau'k nich, dat is mi tau schenierlich!" Aber Vadding treckt sien Büxen ut un nix wi rünner ant Wader. Bät tau Knei gaht he rin und kickt nah all de söten, brungebrannten Dierns. Mudding sitt in de Dünen un reckt den Hals, bis se plötzlich luthals bölkt: "Vadding, Vadding, du mößst `n betten deeper gahn, man süht ja, wat du denkst!"
 
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Wussten Sie schon
. . . dass die Boltenhagener Fischer vor allem Hering und Dorsch anlanden.

Urgesteine
Ein Boltenhagener Original war Hans Swart, ein hiesiger enger Begleiter Fritz Reuters bei dessen Besuchen hier.
Von außen oft rauh, manchmal gar stachelig, doch das Herz auf dem rechten Fleck. Mit allen war er per Du. Schon bei der Anreise sagte er seinen Gästen, wo der Weg langgeht. Oftmals musste seine Gattin geschickt einlenken.
Sein Schriftverkehr auf Anfragen von Gästen soll stets mit folgendem Satz geendet haben: "Wenn Ji das bezahlen wollt, denn kamt, sonst bliwt Ji weg!"
Er setzte sich stets für seine Mitbürger ein, soll Schiffbrüchige gerettet, gepflegt und versorgt haben. Ein Boltenhagener eben, rauh aber herzlich.

Wussten Sie schon
. . . dass es in Mecklenburg-Vorpommern noch zwei Orte mit dem Namen Boltenhagen gibt.
 
Ostseestrand in Kinderhand
das Kindererholungsheim "Oranien"Feriengestaltung und Kuren für Kinder haben im Ostseebad eine jahrzehntelange Tradition.
Ein Prospekt des Kindererholungs-
heimes "Oranien" (heute das
Kurmittelcentrum an der Ostsee-
allee) wirbt in den 30-er Jahren
mit folgendem Text:

"Langjährige Erfahrungen haben gezeigt, dass sich das schulmüde, nervöse und in der körperlichen Entwicklung zurückgebliebene Kind durch einen längeren Aufenthalt an unserer Meeresküste vollkommen erholen und kräftigen und zu einem gesunden Menschen heranwachsen kann ... Der Tag beginnt mit dem Wecken um halb acht, in den Waschräumen hilft die ,Tante' den Unselbständigen.
Die Sportlehrerin leitet die Gymnastik, der Gong vereint uns zum Morgenfrühstück. Nach dem Gesang eines frischen Liedes geht ein eifriges Löffeln los, wir essen mit immer größer werdendem Appetit die Morgensuppe und lassen uns die gut bestrichenen Brote dazu schmecken ... Badespaß in BoltenhagenDer Höhepunkt des Tages, das gemeinsame Bad. Unter Jubeln und Jauchzen geht es in die schäumende Flut. Unter dem Schutz der Tante vertraut sich der größte Angsthase dem Element an und wird bei Seegang ein Held. Allzu kurz ist das Vergnügen, die vom Arzt vorgeschriebene Badezeit wird streng eingehalten. Bereitgehaltene Tücher frottieren den Körper, etwas leichte Gymnastik und das hierauf folgende Sonnenbad lassen den Körper so recht die Wohltat des Bades empfinden."
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Brückengeschichte
Große Schiffe am Horizont sind heute ein tägliches Bild. Das war nicht immer so.
die Seebrücke um 1930
Um 1880 war ein Dampfer vor Boltenhagen eine Sensation. Es trieb viele Schaulustige an den Strand, die Fischer machten ihre Boote flott. Da es keine Brücke gab, mussten sie die Boltenhagen-Besucher "ausbooten". Man kann sich vorstellen, dass so mancher Gast eher mit der erfrischenden Ostsee Bekanntschaft machte, als ihm lieb war.
Die Brückengeschichte begann mit kleinen Seestegen, die einzelne Vermieter (erstmals J.J. Wichmann 1848) vor ihren Pensionen bauten, damit kleine Segler mit Tagesgästen anlegen konnten oder es wurden auf ihnen kleine Badezellen aufgestellt.
1911 schließlich wurde eine 300 Meter lange Landungsbrücke erbaut, für Boltenhagen ein neues Tor zur Welt.
Die Gäste konnten endlich trockenen Fußes das Ufer erreichen. Schnell entwickelte sich ein Liniendienst mit Personendampfern. Vor allem aus Wismar und Travemünde legten zahlreiche Dampfer an.

das Brückenhauses
Um 1930 errichtete man ein großes Brückenhaus.
Gepäckträger mit Handwagen warteten hier, um die per Schiff ankommenden Gäste zu ihrem Quartier zu bringen, man konnte Tagesausflüge mit dem Dampfer nach Travemünde, Poel oder Wismar buchen und zahlreiche weitere Dienstleistungen in Anspruch nehmen. Selbst die Reichsbahn verkaufte hier Fahrkarten für eine Weiterreise in die große weite Welt.
Im Winter 1941 wird die Seebrücke dann durch Eismassen zerstört.
In der Folgezeit baute man immer wieder kleinere Seestege, immer wieder wurden sie durch Eis und Sturm zerstört.
Ab den 70-er Jahren war keine Brücke mehr erwünscht, kalter Krieg. Eine Brücke war ein zusätzliches Risiko für das damals herrschende Grenzregime.
Nach der Wende war schnell die Idee für eine neue Seebrücke geboren. In den Jahren 1991/92 entstand
die heutige Seebrücke. Mit ihren 290 Metern Länge ist sie nicht nur Wahrzeichen von Boltenhagen, sondern auch Anziehungspunkt für jeden Gast.
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J.J.Wichmann

Wenn von bedeutenden Persönlichkeiten Boltenhagens die Rede ist, dann muss auch Johann Jacob Wichmann genannt werden.
Er kam 1841 von Lübeck nach Boltenhagen. Schnell erkannte er die Vorzüge des Ortes.
Er pachtete zunächst das "Hotel baltique". Dieses Anwesen genügte ihm kurze Zeit später jedoch nicht mehr.das Hotel "Großherzog von Mecklenburg"

Wichmann ließ daher auf dem großen Areal das Hotel "Großherzog von Mecklenburg" umgeben von schönen Gärten und Ruheplätzen bauen.


Die eigenen Mittel reichten jedoch nicht aus. Er war auf fremdes Geld zu hohen Zinsen angewiesen.
Durch Zeitungsanzeigen holte er viele Gäste nach Boltenhagen. Das Geschäft lief.
Vom Erfolg angestachelt schmiedete er neue Pläne, wieder war er auf fremdes Geld angewiesen. Er geriet jedoch an Wucherer, verbunden mit einer schlechten Saison kam der wirtschaftliche Zusammenbruch.
Das Gasthaus kam unter den Hammer, andere ernteten die Früchte seiner fleißigen Arbeit.
Wichmann war gebrochen. Doch sein Unternehmungs-
geist, sein Scharfblick für das, was zu tun war, war vielen Boltenhagenern ein Vorbild.

       
   
Wussten Sie schon
. . . dass es in Boltenhagen zwischen Strand und Ostseeallee eine der größten Saatkrähen-Brutkolonien Mecklenburg-Vorpommerns gibt.

   
 
   
 
Einer nach dem anderen bitte
Das Strandleben in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in der Erinnerungeines alten Badegastes veröffentlichte im Mecklenburger Tagesblatt am 25. August 1929:
"Die Badekarren sind geräumig und bequem eingerichtet, werden von einem Pferde in die gehörige Wassertiefe gezogen, und wenn abgebadet ist (was durch das Aufziehen des Badeschirmes signalisiert wird), auf eben die Weise wieder herausgeholt.
Ein solches Bad aus dem Badekarren kostet für eine einzelne Person 5 Silbergroschen, für zwei zusammen 6 Silber-groschen. Am Strande erbaute Hütten dienen dazu, die Badegäste aufzunehmen, bis an Sie die Reihe zum Baden kommt." 
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Mit einem Badekarren fing alles an
Man schrieb das Jahr 1793, als Herzog Friedrich Franz I. das Ostseebad Heiligendamm begründete. Baden in der See kam in Mode.
In Boltenhagen war an solcherlei Treiben nicht zu denken. Das Leben nahm an dem unberührten wie unbekannten Fleckchen Erde seinen bäuerlichen Gang.
Nur ein Jahrzehnt später sollte sich das ändern.
Schloss BothmerAuf Schloss Bothmer zu Klütz ließ der Graf an einem warmen sommerlich Junitag die Pferde einspannen. Auf dem holprigen Sommerweg ging es nach Boltenhagen. Der gräflichen Kutsche folgte ein eigentümliches Gefährt.
So etwas hatte man hier noch nicht gesehen, es war ein Badekarren.

Man entschied sich für den flachen Strand am Redewischer Ufer. Ein Pferd zog den Karren bis zur Achshöhe ins Wasser.BadekarrenDurch den Karren mit einer Plane vor unliebsamen Beobachtern geschützt, nahm die Grafenfamilie zunächst etwas zurückhaltend, dann aber doch mutig und genüsslich das erste Bad in der Boltenhagener Bucht.


Nachdenklich, die Mütze in den Nacken schiebend und den Bart kraulend, sahen einige Einheimische dem ungewohnten Treiben zu. Noch nie waren sie auch nur auf die Idee gekommen, freiwillig den großen Zeh ins Ostseewasser zu tauchen.
Freilich, beim Einholen der Netze und Anlanden der Boote hatte schon mancher Bekanntschaft mit dem kühlen Nass gemacht. Doch das hier, ne, das wollte zunächst nicht in ihren Kopf.

Die Grafenfamilie hingegen hatte Gefallen am Bad gefunden. So wurde der Badekarren gleich beim Schulmeister untergestellt, für das nächste Bad.
 
Up de Seebrück
Kuddel un Hein stahn up de Seebrück un vertelln sick wat. Dor föllt dicht bi ehr een in de Ostsee. He paddelt banning un bölkt, he mutt versupen. Kuddel un Hein löt sick nich stüren. De anner bölkt ümmer wieder.
Tauletzt ward Kuddel de Sak tau bunt. "Wat is denn los?" röpt he. "Ick kann nich swemmen!" "Och wat !" seggt Hein, "Wie künnt ok nich swemmen, aber wi bölken doch nich so!"
"Schwere Vorkommnisse"
Mit dem sozialistischen Bildungs-wesens wurde auch in Boltenhagen an der Schule der Pädagogische Rat eingeführt. Ende der 50-er Jahre musste man sich in diesem Rat mit zwei "schweren Vorkommnissen" auseinandersetzen:
Zum einen handelte es sich um eine Hose, eine Jeans, die erste Jeanshose im Ostseebad. Der Klassenfeind hatte zugeschlagen. Die Reaktionen lagen zwischen Entrüstung und Neugierde, Verständnis und Spaß.
Im zweiten Fall waren ein Junge und ein Mädchen, beide Schüler der 8. Klasse, Hand in Hand bei einem nachmittäglichen Spaziergang gesehen worden. Im Rat herrschte Entrüstung, ja Empörung angesichts dieser "schändlichen" Tat.
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Pastor Meyer
Eng verbunden mit der Geschichte und Entwicklung Boltenhagens als Badeort ist der Name Johann Joachim Hartwig Meyer, Pastor an St. Georgen zu Wismar.
1830 war er zum ersten Mal in das verträumte Bauerndorf an der Ostsee gekommen. Er fand Gefallen an dem kleinen Ort, seiner reizvollen Lage und eigenen Atmosphäre.
Schnell erkannte er, dass hier etwas zu machen war.
1843 publizierte er, beschrieb nicht nur die wundervolle Lage Boltenhagens, sondern entwickelte auch erste Gesichtspunkte und Prinzipien über Erholung und Ferien
an der See.
Immer wieder suchte er das Gespräch mit den Einhei-
mischen, gab ihnen Hinweise und auch so manchen Rippenstoß. "Wat möt, dat möt." Die Mentalität, die störrische Ruhe der "Eingeborenen" waren seine größten Gegner.
Doch mit der Zeit fanden auch die Dorfbewohner Gefallen an dem sommerlichen Treiben in ihrem Ort. Die Zahl der Gäste stieg von Jahr zu Jahr und schließlich sah man ein, dass man einen Vorteil von der ganzen Sache hat.
Der anfänglichen Skepsis folgte Aufgeschlossenheit, schließlich sogar Dankbarkeit.
1880, anläßlich des 50. Besuches des Pastors, weihte man einen Gedenkstein mit folgender Inschrift ein:
Gedenktafel
gewidmet
dem hochwürdigen Pastor
J. J. H. Meyer
aus Wismar,
dem treuen Freunde, dem steten Förderer
Boltenhagens zu seiner 50jährigen
Wiederkehr im Juli 1880
von den dankbaren Boltenhägern.
                  Noch heute ist dieser Gedenkstein
                   östlich der Kapelle zu besichtigen.
 
Wussten Sie schon
. . . dass der "Klützer Winkel" eigentlich das Gebiet ist, von wo aus man den Kirchturm
der Klützer Kirche sieht.







Sachsenkeller
Welch böser Ausdruck.
Jeder, der im Zuge des sozialistischen Wohnungsbauprogramms ein Eigenheim baute, hatte eine Kellerwohnung, bestimmt für Urlaubsgäste. Die Gäste waren dankbar, denn Urlaubsplätze an der Ostsee waren begehrt
wie knapp.
Für die Gastgeber ein willkommenes Zubrot. Freilich erholten sich hier nicht nur Sachsen, aus allen Teilen der Republik kamen sie.
Auch in Boltenhagen hat diese Art der Unter-
bringung hat lange Tradition. Schon in den Anfangsjahren setzten die Einheimischen ihre Räumlichkeiten instand, wenn mit dem Sommer die "Baders" anrückten.
Die Wände wurden geweißt und Fußboden-
bretter ausgelegt. Nicht selten zogen die Wirtsleute selbst in den Stall und überließen den Gästen die gute Stube. Und doch musste so manche Familie eine Unterkunft beziehen, die ein Soldat als Notquartier bezeichnet hätte.
 
     
 
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