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| Boltenhagener
Einblicke Zeitung von Boltenhagenern für Boltenhagener und ihre Gäste |
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| Nr. 7 Januar-März 2002 |
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![]() | Auf
ein neues Jahr Stürmisch peitscht die Ostsee ihre Wellen an den Strand. Land unter wurde noch nicht gemeldet in dieser Herbst-Winter-Frühlings-Saison, doch im Westen der Boltenhagener Bucht haben Wind und Wellen schon an der Düne genagt. Hier und dort taumeln zerfressene Bunen durch die Wellen. An der Steilküste gibt es frischen Abbruch. Neue Findlinge sind aus dem Steilufer an den Strand herabgefallen, geben dem Strand ein neues Gesicht. Möwen lassen sich von den Böen tragen, streiten sich mit lautstarkem Gezeter mit den Schwanenfamilien um den einen oder anderen Happen, den Spaziergänger in diesen Tagen mit an den Strand bringen. Die Schwäne fressen gar aus der Hand. Stürmisch ist es um diese Zeit an der Ostsee, und doch irgendwie auch friedlich. |
| Wind und Wellen in ihrer ständig wechselnden Gleichförmigkeit
vermitteln Ruhe und Unruhe, Schlaf und Schlaflosigkeit zugleich. Der wahre Genießer
erkennt: die Ostsee hat immer Saison. In der Tat bekommt man auch den Eindruck,
die Natur bereitet sich auf die nächste Saison vor, so wie es die Menschen
tun. Neue Konzepte werden erdacht, neue Ideen in die Tat umgesetzt. An Häuser
und Wohnungen, Boote und Strandkörbe wird Hand angelegt. Ein Ostseeort im
Winterschlaf? Auf ein neues Jahr ... | |
| Ralf B. / Foto Mc. BÖCK | |
| Wer weiß schon,
dass die großen weißen Muscheln am Strand Sandklaffmuscheln heißen,
oder warum die Miesmuscheln bei uns viel kleiner sind als an der Nordsee? Natürlich habe ich darüber nicht nachgedacht, als ich mich an einem kalten Dezembermorgen auf den Weg mache, um Dr. Walter Maihöfer bei seiner ökologischen Strandwanderung zu begleiten. Vielmehr richteten sich meine sorgenvollen Blicke gen Himmel, die Kamera sollte schließlich trocken bleiben. Vor der Kurverwaltung hatten sich zu meinem Erstaunen einige Dutzend Wanderlustige eingefunden, zum Teil mit Rucksack und Wanderstab ausgerüstet. Also los. In der Tat gab es viel Wissenswertes auf der knapp zweistündigen Wanderung zu erfahren. | ![]() |
| Von "grünen Spinnereien" keine Spur. Vielmehr
erlebe ich einen Mann, der mit seinem Heimatort und dessen Natur eng verwurzelt
ist. So kann man nicht nur zu Biologie und Geologie etwas erfahren, sondern auch
zu Geschichte und Gegenwart des Ortes. Die ganze Zeit frage ich mich, warum dieser Mann eine Tasche mit sich herumschleppt. Das Geheimnis wird bald gelüftet. An Hand von Fotos werden den Zuhörern Sturm-fluten, Abbrüche an der Steilküste und der Deichbau erläutert. Der Höhepunkt kommt jedoch zum Schluss. Versteinerte Seeigel, Schnecken und Muscheln werden aus der Tasche hervorgezaubert, ebenso Donnerkeile, Seelilienstengel und anderes. Die Zuhörer bedanken sich mit Applaus. | |
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Auf dem hastigen Rückweg (der nächste Termin wartet) kann ich Dr. Maihöfer
doch noch einiges Persönliche entlocken. Seit 1955 lebt er in Boltenhagen, ist Dr. der Biologie und Chemie, Oberstudienrat. Sieben Jahre war er Lehrer in Boltenhagen, anschließend an der EOS (Gymnasium) in Grevesmühlen. Er ist viel in der Natur, denn immer gibt es Neues zu entdecken. An den Aufstellern zur Flora und Fauna an der Ostseeküste hat er gearbeitet, am Prospekt "Naturnah" mitgewirkt. |
| Das nächste Projekt ist ins Auge
gefasst: im Kurhaus soll eine Vitrine mit geologischen und fossilen Exponaten
aufgebaut werden, versehen auch mit Literaturhinweisen. Die ökologischen Wanderungen wird es weiter geben. Interessierten Wissen über Boltenhagen zu vermitteln, das macht ihm Spaß . . . da kommt doch ein wenig der Pauker durch? Noch eines will er: dem Besucher ein wenig von unserer Mentalität vermitteln. | |
| R. Böckenheuer / Fotos: Mc. BÖCK | |
| Etwas stiefmütterlich wird sie behandelt,
die Geschichte des Ferienheims "Uns Hüsung" am Dünenweg. Seit
1993 ist das Gebäude ungenutzt. Und doch gehörte es einst zu den stolzen Häusern in Boltenhagen. Vor das auf der Hufe X gelegene typische Bauernhaus in Alt-Boltenhagen wurde strandseitig ein Logierhaus gebaut. Seine Vorderansicht wandelte sich durch bauliche Veränderungen mehrfach. Einst trug es den Namen "Pension Westphal" und wurde als Familien-Pension geführt. | ![]() |
| Aufzeichnungen zufolge sollen sich gleich nach dem 2. Weltkrieg hier Mitarbeiter der Landeszeitung aus Schwerin erholt haben, später Pressemitarbeiter aus der gesamten DDR. Im Zuge der "Aktion Rose" im Jahre 1953 wurde die Familie Westphal enteignet. | |
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Namen "Zentral-Erholungsheim" trug das Gebäude auch einmal. Zu
dieser Zeit war es jedoch nicht jedem zugänglich. Mitarbeiter eines gewissen
Ministeriums erholten sich hier von ihrer anstrengenden Tätigkeit zum Schutz
der sozialistischen Errungenschaften. Ein Bauschild vor dem Gebäude gibt Hoffnung, dass hier bald wieder Leben einzieht. Leider nicht für touristische Zwecke, Eigentumswohnungen sollen hier entstehen. Also doch touristische Zwecke? |
| R. B. / Foto: A.N.Rehb | |
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