| Literatur- und Picknickgarten Boltenhagen, Familie Schmidt |
Der Rückzug aus der Hektik
des Alltags in einen Ruhe und Inspiration
gewährenden
Garten wird schon seit Hunderten von Jahren
erträumt
oder glücklich praktiziert.
Unser Geheimtipp stellt einen Garten vor,
der, wenn er 100 Jahre ohne wesentliche
Eingriffe gewachsen sein wird, dem
Paradies wohl ziemlich
nahe kommen könnte.
Aber
schon ab 2008 ist der „Literatur- und Picknickgarten“ eine Empfehlung
für Ruhe suchende Genießer, denn hier singen die Vögel die
alten Lieder und die Pflanzen erzählen ihre Geschichten.
Da zeigt zum
Beispiel ein Alchimistengarten seine giftigen Pflanzen und erzählt vom Schierlingsbecher des Sokrates. Es wachsen frohgemut Schöll-
und Bilsenkraut, als unentbehrlicher Teil einer guten Flugsalbe.
Womit ist
Hamlet's Vater eigentlich im Garten vergiftet worden? Was hat Pater Lorenzo in Shakespeares „Romeo und Julia“ in Julias Schlafmittel getan? An den Pflanzschildern
lässt es sich nachlesen.
Die Gärtnerin dieser 6000 Quadratmeter hat einen Garten für faule
Genießer.
Hier können Sie im Gartenbett lesen, während andere
ein mitgebrachtes Picknick auf einer Decke verzehren oder einfach im Gras
liegen mögen.
Vielleicht finden Sie die Bäume noch ein wenig zu klein, aber die Gärtnerin
kann ihnen beschreiben, wie es in 100 Jahren aussehen wird. So werden Sie
es nicht vermissen.
Und wer das Risiko nicht scheut, mit dem Gartenvirus infiziert
zu werden, der sucht sich im Kräutergarten einen Tee selbst zusammen. Hierbei braucht
sich unser Faulpelz nicht einmal zu bücken, denn der runde Kräutergarten
ist abgesenkt und erlaubt einen Rundgang, bei dem die verschiedenen Pflanzen
mit ihren Aromen im Stehen befühlt und genossen werden können.
Ehe sich unser Genießer, der keinen Garten hat, weil er kein Sklave
sein will, versieht, hat er ein paar störende Grashalme entfernt und
Verblühtes
abgekniffen.
Jetzt ist es passiert – der Gartenvirus dringt in ihn ein. Und das ist gut
so und durchaus von der Gärtnerin so gewollt. Und wer sich entschließt,
heimlich etwas Saat zu nehmen oder gar um einen Steckling zu bitten, der
ist für die Welt gerettet, denn genauso hat es vor 15 Jahren mit diesem
Garten angefangen.

Wer die Geschichten um die Pflanzen etwas genauer erfahren möchte,
macht nach Anmeldung einen literarischen Streifzug durch die Welt der Kräuter
mit der Gärtnerin.
Langsam wächst ein weiterer Geschichtenerzähler heran:
der Irrgarten,
aus Eiben und Buchen gepflanzt, benötigt
aber noch einige Jahre, bevor
der Minotaurus seinen Auftritt hat.
Wenn das Ostseewetter Sie aber von der Picknickwiese oder aus dem Gartenbett
vertreibt, dann finden Sie in einem kleinen Gewächshaus einen Tisch,
Stühle und Gartenliteratur und Ruhe. Wein hat der Genießer ja
wohl in seiner Tasche.
Marlis und Burkhard Schmidt
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